Leben

NORWAY – A ROAD TRIP: GETTING THERE

Prolog

Wie der ein oder andere vielleicht weiß, war letztes Jahr recht anstrengend für mich. Erfolgreich, ja, aber auch sehr anstregend. Im Mai habe ich meine Doktorarbeit abgegeben und im Juli habe ich sie verteidigt. Im August haben wir sie dann alle gemeinsam begossen. Alles in allem hat mich das ganze schon sehr ausgelaugt. Die ganze Doktorandenzeit. Irgendwie ist man doch sehr froh, wenn es alles vorbei ist.
Ich wollte mich dafür dann auch ein bisschen belohnen, und zufällig ergab es sich, dass meine liebe Freundin, Quasi-Nachbarin und Hundemensch Laura einige Zeit zum Backpacking nach Norwegen wollte. Um ihre Bachelorarbeit zu feiern. Da sie mit Hund unterwegs sein wollte, dachte ich mir, ich hänge mich einfach dran.
Geplant war, dass wir uns im Hardangervidda Nationalpark treffen, wo ich mein Auto stehen lassen würde, und wir dann zusammen mit den Hunden und Zelten losziehen würden. Laura wollte einige Wochen länger unterwegs sein und schon früher hinreisen – das ging bei mir leider nicht, da ich ja nach wie vor einen Arbeitsvertrag (und damit auch nur die übliche Urlaubstagszahl) hatte. Drei Wochen habe ich mit meinem Chef abgesprochen und für mich völlig in Ordnung.
Dann kam aber alles ein wenig anders. Laura erwische leider keine gute Zeit – im Gegenteil, ihre erste Woche war geprägt von Regen und sehr kalten Nächten. Keine sehr gute Kombination, vor allem wenn man doch etwas ab der Zivilisation ist. Nach einer Woche musste sie notgedrungen aufgeben, da sie dem schlechten Wetter nicht entkommen konnte. Ich hatte schon Sorge, dass sie es über haben würde – aber da habe ich definitiv ihre Abenteuerlust unterschätzt. Wir schmissen also unsere Pläne um und planten einen Roadtrip. Mit dem Auto unterwegs zu sein würde und viel flexibel und mobiler machen und wir würden auch viel mehr sehen. Natürlich waren nach wie vor Übernachtungen im Zelt geplant – denn in Norwegen ist Wildcampen ja erlaubt. Also steckten wir uns eine Strecke ab, die uns zu einigen fein säuberlich recherchierten landschaftlichen Highlights bringen sollte. Die Route könnt ihr hier näher betrachten.
Für mich stand dann noch eine ganze Menge Shopping auf dem Plan – meine Kollegen hatten mir in weiser Vorraussicht zur Doktorfeier einen Gutschein für McTrek geschenkt – der auch nötig war. Im Anschluss an meinen Reisebericht werde ich euch gern eine Liste zusammenstellen, was absolut notwendig war (und vielleicht auch, was man hätte daheim lassen können).
Unser Startdatum sollte der 1. September sein. Im Endeffekt bin ich schon am 31. August gestartet. Da fangen wir an.

Hitting the Road

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Der Audi nach dem Einladen in Isernhagen. Ja – das Auto war VOLL.

Ich war noch arbeiten, aber da ich ja seit Juli eine halbe Stelle bekleiden durfte, war mittags Schluss und ich konnte mich aufs Packen konzentrieren. Es war ein ziemlicher warmer Tag, und nachdem ich alle meine Sachen (ok, fast alle) im Rucksack verstaut hatte, stand dann das Stapeln ins Auto an. Ich hatte SEHR ausreichend Vorräte eingekauft, musste Zelt, Isomatte und Schlafsack verstauen, Hundefutter, Wanderschuhe, den Rucksack mit allen Anziehsachen… Es war doch viel mehr als gedacht, und obwohl mein Auto nicht unbedingt ist (ich fahre einen Audi A3), war am Ende klar dass es doch recht sportlich werden würde, Lauras Sachen unterzukriegen. Und Laura. Und Pino, ihren Hund. 

Gegen fünf war ich unterwegs nach Isernhagen (bei Hannover), wo Laura wohnt und wo ich sie einsammeln sollte. Die Nacht würde ich auf dem Sofa verbringen, und dann könnten wir in Ruhe am nächsten Morgen starten. Gesagt getan. Nach einer kurzen Nacht (Lauras Eltern besitzen ebenfalls eine Hündin, also hatte es insgesamt
drei Hunde im Haus), in der mein Hund regelmäßig aufs Sofa kam, und wieder runter sprang, sobald die Dame des Hauses im Wohnzimmer nach dem rechten sah (so etwa alle halbe Stunde), und klein Pino sehr bequem die Hälfte der Nacht auf meinem Arm geschlafen hatte, gab’s zur Belohnung einen kurzen Hundespaziergang vor einem ausgeprägten Frühstück, bevor wir uns auf den Weg machten.

Die erste Etappe führte und nordwärts nach Hirtshals, Dänemark. Hier gibt es mehrere Fährhäfen, und von hier aus startet auch die kürzeste Fährverbindung zwischen Dänemark und Norwegen, nämlich nach Kristiansand. Wegen der Hunde wollte wir die Fährzeit so gering wie möglich halten, denn die mussten dabei im Auto bleiben. Nicht optimal. Aber die Überfahrt dauert eben auch nur ungefähr 2 Stunden.

Die Fahrt war problem- aber auch ereignislos (was vielleicht auf der Autobahn auch ein wünschenswerter Zustand ist). Am Ende zog es sich dann etwas bis Hirtshals, aber wir waren recht früh da. Um 15.30h – also eine Fahrtzeit von ziemlich genau 7h (mit Pausen). Unsere Fähre ging um 18.00h. Falls ihr euch jemals von Hirtshals aus verschiffen lasst und sehr früh dran seid hier ein Tip: checkt nicht sofort ein – einmal drin (auf dem Parkplatz wo alle auf ihre Fähre warten), lassen sie euch nicht mehr runter. Für uns war das sehr blöd, weil der Parkplatz direkt 50m vom Strand entfernt ist, wo wir mit den Hunden noch hinwollten um die Restzeit totzuschlagen. Was dann leider nicht ging. Wir verbrachten die Zeit dann also auf dem formschön-gepflasterten Parkplatz, ließen die Hunde aus den Autos und genossen die Sonne und den Wind. Viel war nicht los und es ging pünktlich los Richtung Norwegen.

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Gute Stimmung bei bestem Wetter im Hafen in Hirtshals. Selfietime!

Was mich als Hundebesitzer sehr gestört hat, waren die doch sehr unflexible Einstellung gegenüber unsern vierbeinigen Freunden. Grundsätzlich gibt es auf den Fähren nach Skandinavien die Möglichkeit, die Hunde im sogenannten ‚Dog Hotel‘ unterzubringen – gerade auf den längeren Fährfahrten ja vermutlich eine Überlegung wert – allerdings sind dies dann auch nur ausgefließte Räume voller Käfige, in die man die Hunde dann Stundenlang sperrt. Muss das sein? Ich weiß es nicht. Auf unserer Überfahrt mussten die Hunde im Auto bleiben. Wir dachten wir tun ihnen einen Gefallen, weil sie das Auto und den Kofferraum / Box ja kennen. Pustekuchen. Wir hatten dermaßen heftigen Seegang, dass Jax – wohl aus Panik – die halbe Plastikauskleidung des Kofferraums und seine neuen Tragetaschen zerkaut hat (vermutlich vergeblich auf der Suche nach Halt im schaukelnden Auto), und Pino sich gepflegt in seine Box übergeben hat. Laura war auch leicht angeschlagen – ich weiß immernoch nicht genau warum die drei sich so angestellt haben, ich persönlich fand es nicht so tragisch. Solang man nirgendwohin gehen wollte ohne wie ein Betrunkener herumzutorkeln war das schon ok ( :
Am Ende der Überfahrt haben wir uns noch auf’s Außendeck getraut und wurden mit einem tollen Abendhimmel und untergehender Sonne über dem Norwegischen Festland belohnt.

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Abendsonne (und Sturm) auf dem Außendeck. Am Horizont kann man das Festland erahnen.

Zurück im Auto mussten wir erstmal die armen Hunde trösten, aber es ging dann auch schnell von Board, und wir kamen auch recht problemlos durch den Zoll – die Hunde müssen eigentlich beim Zoll vorgeführt werden, gechipt, geimpft und entwurmt sein für die Einreise, aber wir wurden eigentlich nur durchgewunken und konnten uns so schnell auf den Weg machen. Weit wollten wir an diesem Tag nicht mehr – es war schon nach 18 Uhr, und viel Tageslicht blieb nicht mehr, um einen geeigneten Platz zum Übernachten zu finden. Wir fuhren also direkt raus aus Kristiansand, vorbei an Felsen und Klippen, an denen die Stadt entlang gebaut ist und die Straßen entlang führen. Laut Karte sollten sich westlich von Kristiansand direkt einige Seen befinden, an denen wir uns ein Plätzchen suchen wollten.
Die Seen haben wir auch recht schnell gefunden. Allerdings war es schwierig ein abgeschiedenes Plätzchen zu finden, denn offenbar sind auch die Norweger große Fans vom ‚Haus am See‘. Rund um die Seen wunderschöne Privatgrundstücke, wunderschöne Häuser. Problem – man darf zwar wildcampen aber nur in ausreichender Entfernung zu Siedlungen. Heißt mindestens 300 m bis zum nächsten Haus. Schwierig.

Wilcampen ist ja schön und gut – wenn nicht überall Häuser stehen!

Letztenendes fanden wir unseren Platz an einer Landstraße, zwischen See und Wald. von der Straße durch einen Streifen Bäume und Gebüsch abgegrenzt. Nicht ideal, aber erschöpft wie wir waren, einfach nur froh irgendwo angekommen zu sein. Also bauten wir unsere Zelte schön in die kleine Minilichtung des Waldes (rund herum einfach nur Bäume und Büsche), und das Auto zwischen uns und die Straße. Dann wurden die Hunde ausgeladen und gefüttert, und wir konnten endlich den Campingkocher anschmeißen. Es gab Asianudeln (wurde einer unserer Favoriten 😉 auf der Campingdecke. Und dabei wurde es dann auch langsam dunkel. Natürlich hatten wir vorher noch die Zelte eingerichtet – so eine selbstaufblasende Luftmatratze ist nicht zu unterschätzen! – Lampen und Zahnbürsten herausgekramt. Und natürlich Schlafklamotten. Endlich raus aus den Reisesachen! Und nach der nötigen Abendtoilette ging es dann auch schnell in die Schlafsäcke.
Mein Zelt war ein Zweimannzelt – hauptsächlich lang, nicht hoch, sodass man darin stehen könnte. Aber doch ausreichend und bequem. Gleich am Eingang zwei Taschen an den Wänden, in denen ich meine Sachen (Lampe, Autoschlüssel, Handy, Buch) verstauen konnte. Jax und ich hatten es dann auch recht kuschelig, er auf seiner Decke neben mir, wo er dann auch direkt eingeschlafen ist. Ich hab tatsächlich noch ein paar Seiten gelesen (Harry Potter, geht IMMER) bevor auch ich dann müde wurde. Einmal musste ich dann nachts doch die Buschtoilette benutzen, was echt ungemütlich war, so im Dunkeln, im Wald, drauf achten nicht über die Zeltschnüre zu stürzen… Spaßig – wo ich ja auch so ein Campingfan bin!

Zeltaufbauen will gelernt sein.

Am Morgen stellte sich raus, dass ich das mit dem Zelt aufbauen noch üben muss – ich hatte das Oberzelt nicht stramm genug aufgespannt, und der nächtliche Nieselregen war schön bis ins Innenzelt durchgedrungen, und in meinen Schlafsack – wo er Kontakt mit dem Zelt hatte. Tjah – Übung macht den Meister 😉 Aber immerhin hatten wir es geschafft – das erste Mal aufwachen in Norwegen! Wie das so war für uns, gibt’s im nächsten Kapitel Norway -a road trip: on the road.

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