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NORWAY – A ROAD TRIP: ON THE ROAD

Ich bin ja kein Frühaufsteher. So ziemlich jeder der mich kennt wird das gern bestätigen. Ich kann früh aufstehen, wenn es halt muss, aber wenn ich es mir aussuchen kann dreh ich mich halt doch lieber nochmal um, umarme mein Kissen und lasse die Welt noch etwas Welt sein – geht auch ohne mich. Nicht so am 02. September. 

An unserem ersten Tag im schönen Norwegen (den wir von Anfang bis Ende dort verbrachten), war ich richtig früh wach. Und Erholung ist was anders. Trotzdem hatte ich gar nicht so fürchterlich schlecht geschlafen. Tatsächlich stehen wir um 8.00 Uhr auf. Es ist wolkig – hallo Norwegen-Wetter! Erste Amtshandlung, Zelte abbauen. Danach ab an den See, um Wasser aufzufüllen und die Morgentoilette zu erledigen.

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Aussicht nach dem Aufstehen – könnte schlimmer sein.
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Karte lesen bevor es losgeht – wo sind wir eigentlich genau?

Um zum See zu gelangen, mussten wir uns erstmal ein Stück durch die Pampa schlagen, um danach (vermutlich semilegal) über eine Weide (weit und breit nix Weidendes in Sicht) zu staksen, weil wir sonst gar nicht bis ans Wasser gelangt wären. Wieder zurück, mussten wir uns erstmal auf der Karte finden.

Hilfreich: Offlinekarten und Hardcopy dabei haben!

Ganz wichtig: nicht jedes Navi unterstützt ALLE außereuropäischen Länder! Mein Navi z.B. hat zwar Dänemark und Schweden, aber nicht Norwegen. Laura, mein Navigator, hatte da aber schon mit einer Offlinekarte auf dem Handy vorgesorgt, was uns schon sehr geholfen hat. Trotzdem schadet eine Karte nicht. Wir hatten uns unsere Route eingezeichnet. Die war unterteilt in verschiedene Etappen, von Ort zu Ort, die Kilometer und Fahrzeiten hatten wir uns ebenfalls notiert, und auch eventuelle Abstecher, die man spontan noch machen kann, damit wir auch flexibel noch spontan was ändern konnten.  

Nach einem schnellen Frühstück wurde das Auto wieder beladen, die Hunde eingepackt, dass Handynavi eingestellt und los ging’s – Richtung Norden, zu unserem ersten Etappenziel: Tonstad. Ungefähr 150 km, Fahrzeit 2h 18 min. Leider wurde es stetig grauer, und irgendwann fing es dann auch an zu regnen. Das hat mich persönlich dann direkt nicht besonders glücklich gestimmt – hatte ich ja noch Laura’s Erfahrungen im Hinterkopf und so gar keine Lust auf wochenlangen Regnen, nasse Sachen und kalte Nächte… Aber trotzdem war die Route die wir uns ausgesucht hatten, landschaftlich wunderschön, sodass wir einfach frei Schnauze zwischendrin am Straßenrand angehalten haben, um uns umzuschauen, und die Berge und Seen zu genießen. Außerdem wollten wir die Hunde nicht überstrapazieren – es war bergig und sehr kurvig, und die zwei hatten ja nun am Vortag gerade nicht so tolle Erfahrungen gemacht. Die Zwischenstops haben sie beide sehr genossen.

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Regenpause am Bergsee.
img_0035Wilde Natur, Wald und Reflexionen.
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Faszination ‚glatte‘ Berge.
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Hund in der Heide 😀

Ihr seht: wir hätten es viel schlechter treffen können. Gegen halb eins erreichten wir dann Tonstad. Wie schon seit der letzten Stunde der Fahrt, regnete es auch hier. Trotzdem ließ sich erkennen, wie schön Tonstad gelegen ist. Gemütlich am Ufer und Ende eines langgezogenen (27 km) Sees (Sirdalsvatnet), mitten zwischen den Bergen. Günstigerweise war der Campingplatz ausgeschildert – nein, wir hatten es noch nicht über, das Wildcampen, erhofften uns aber ein paar Infos zwecks Wanderrouten in der Umgebung. Dort wies man uns freundlich darauf hin, dass die ‚Sommersaison‘ (= Wanderzeit) in Norwegen Mitte August endet (wichtig, falls ihr mal während der Saison nach Norwegen wollt), und dass wir daher ja schon recht spät dran wären (was wir ja nun glücklicherweise schon wussten 😉 ).

Ein Hoch auf Regencapes!

Trotzdem konnte man vom Campingplatz aus direkt noch ein Gipfel erklimmen. Also ließen wir uns den Weg beschreiben, dann die Hunde aus dem Auto, packten ein bisschen Proviant und Wasser ein, warfen uns die Regencapes (Must-have!) über – und los ging’s. Zwei Stunden hatte man uns gesagt – irgendwann waren wir nicht mehr sicher ob wir richtig sind, denn es wurde fleißig gebaut. Allerdings trafen wir dann auf Sven, den netten Farmer von nebenan, dem wohl der meiste Teil des Berges gehörte, unter anderem die Straße. Mit ihm haben wir uns auf jeden Fall sehr nett unterhalten (er schön trocken in seinem Volvo-Kombi, wir so gar nicht trocken im strömenden Regen), und obwohl nicht ganz klar wurde was da nun eigentlich gerade bautechnisch von Statten ging, wies er uns den Weg Richtung Gipfel (nein, der war nicht zu sehen – Wolken und so), bzw. zum Bergsee. Ob das nun das erklärte Ziel war, was man uns am Campingplatz weisen wollte, sei mal so dahingestellt, aber Sven war nun mal sehr nett und hatte außerdem ein Ruderboot am Bergsee liegen (ein rotes), dass wir benutzen dürften (wenn wir denn ankämen). Gut – ich persönlich fand’s jetzt gerade etwas nass zum Rudern, aber wir waren auch schon so durchgeweicht, dass sich Sven wohl dachte: macht keinen Unterschied mehr.

Grundsätzlich war der Weg bei dieser Wanderung nicht das Ziel – es ging durch den Wald, aber die meiste Zeit auf Schotterwegen bergan. Nicht so unfassbar spannend. ABER: Der Bergsee war wirklich idyllisch. Ja – wir hatten jetzt nicht gerade das tollste Wetter, aber man konnte wirklich ahnen wie schön es hier oben sein kann (Bilder kann ich euch leider keine zeigen – denn das Wetter wäre der Tod meiner Kamera gewesen). Weiter hinten am See dann auch wieder Häuser (ich sag ja – ‚Haus am See‘-Fans, die Norweger), und Ruderboote! Sven hatte nicht zu viel versprochen 😀 Aber nein – wir sind rudern gegangen. Wir waren schwimmen. War halt anstrengend so berghoch (stundenlang), also haben wir (nass wie wir waren) die Situation genutzt und waren kurzerhand mal Baden im Bergsee (spart die Dusche 😉 ). Bei ungefähr 10°C Außentemperatur. Wasser war natürlich etwas kälter. Also war es ein kurzes Badevergnügen – aber es tat wirklich gut. Da die Norweger kein großes Rundwandervolk sind (wie sich noch herausstellen sollte), ging es eben auch den selben Weg zurück. Immerhin waren wir draußen, und hatten uns bewegt. 
An dieser Stelle muss ich gerade selbst ein wenig über meine Notizen im Reisetagebuch lächeln: ‚Meine Schuhe sind jetzt zwar nass, aber ich lasse sie jetzt einfach an, bis es in den Schlafsack geht – dann werden sie vielleicht von der Körperwärme etwas trocken.‘ Ich Fuchs! … das hat natürlich NICHT funktioniert.
Zurück am Auto haben wir uns dann direkt auf die Suche nach einer Bleibe für die Nacht gemacht. Es war noch recht früh am Tag, ungefähr 16.00 Uhr (nein, so genau habe ich nicht Buch geführt), aber wir hatten am Tag zuvor ja auch schon so unsere Problemchen ein Plätzchen zu finden, bevor es dunkel wurde. Dafür mussten wir aber aus Tonstad raus (300m bis zum nächsten Haus, kein Sichtkontakt), und beschlossen einfach die Route Richtung unseres nächsten Ziels einzuschlagen. Also weiter gen Norden, Richtung Sinnes. Tatsächlich mussten wir wieder recht weit fahren, bevor sich eine Möglichkeit auftat. 

Und wo schlafen wir heute?

Hier mal ein paar Worte zum Wildcampen in Norwegen: wie gesagt – es ist innerhalb von Städten / Siedlungen nicht erlaubt. Man kann in freier Natur überall campen wo man will, wenn keine Menschenseele in Sicht ist. Wenn man aber mit dem Auto unterwegs von Ort zu Ort ist, kommt es weniger oft vor, dass man sich in der Wildnis findet. Und in Norwegen ist die Landschaft einfach anders als bei uns. Eigentlich besteht sie außerorts aus Seen, Bergen und Wald, durchschnitten von der gelegentlichen Straße (auf der man dann halt unterwegs ist) – und das wars. Wiesen gibt’s übrigens auch nicht so richtig – es gibt Weiden und Felder (hier und da) aber auf landwirtschaftlich genutzten Flächen ist wildcampen verboten. Das schränkt die Auswahl der Übernachtungsplätze doch gehörig ein. Anfangs hat uns das noch echte Sorgen bereitet. Aber dann haben wir doch IMMER ein idyllisches Plätzchen gefunden, wir Glückskinder. 

So auch an diesem Tag. Tatsächlich bin ich erst vorbeigefahren, hatte aber die Nase schon so voll, weil wir keinen Platz gefunden haben, dass ich mich direkt umgedreht habe und zurück gefahren bin. Und zwar ging es von der Straße ein Stück Schotter den Abhang herunter (war recht steil, wenn ich so zurück denke, war schon recht mutig, mit dem Auto…) und ein paar Meter tiefer war man dann am Ufer eines Flusses. Das Ganze hat einfach ganz gut gepasst, weil wir das Auto auf dem Schotter parken konnten (und es nicht irgendwo im Schlamm versunken ist), und wir auch wieder ganz gut von der Straße abgegrenzt waren (durch die Böschung), und so auch die Hunde problemlos raus lassen konnten. UND wir hatten wieder Wasser vor der Tür. Dazu kam, dass es gerade mal einen Moment lang nicht regnete, wir also schnellstens unsere Zelte aufschlugen, und Luftmatratzen und Schlafsäcke, Nachtzeug, und alles andere was nicht unbedingt nass werden sollte, darin verstauten. Laura musste sich dann eine Weile ins Zelt verabschieden, weil sie dank leichter Reisekrankheit (Berge, Kurven…) ziemliche Kopfschmerzen hatte. Ich hatte also ein wenig Zeit für mich selbst – im Auto, denn es fing wieder an zu regnen. Jax hatte es sich im Kofferraum gemütlich gemacht, und ich habe brav mein Reisetagebuch geschrieben und ein wenig darüber reflektiert, dass ich Zelten im Regen so gar nicht schön finde. Oder nasse Füße. 

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Campsite am Fluss. Blaues Zelt: Jax und ich – Graues Zelt: Laura und Pino.

Trotzdem war es wirklich verdammt schön dort. Und so ruhig! Kaum ein Auto auf der Straße. Weniger Menschen – mehr Natur. Genau das hatte ich mir gewünscht. 
Später zwingt uns der Regen wieder ins Auto – inklusive Hunde, denn so ein pitschnasser Hund ist kein so toller Bettnachbar – und wir gönnen uns eine Dosis Hörbuch. Not macht erfinderisch! Da es leider nicht mehr aufhören will zu regnen, putzen wir Zähne im Auto und setzten dann auf einen Sprint zum Zelt, was mehr oder weniger gut funktioniert. Aber immerhin sind die Schlafsäcke und Schlafsachen noch trocken – und ich kann Jax gerade noch daran hindern es sich auf meinem Schlafsack bequem zu machen. Etwas beleidigt trollt er sich auf seine Decke, während ich in die Schlafklamotten wechsel (gut, dass das keiner sieht, sehr gymnastisch, so im liegen-sitzen). Zum Schlafen kann ich übrigens Thermowäsche aus Wolle empfehlen – ich hatte eine lange Hose und ein Langarmshirt dabei und ich habe NIE gefroren (hatte aber auch einen super Schlafsack). Um der Gemütlichkeit Genüge zu tun, widme ich mich noch ein paar Seiten meines Buches, während das Rauschen des Baches und der Regen auf dem Zeltdach mich relativ schnell müde machen. Viertel nach zehn ist Licht aus (diesmal hab ich es tatsächlich notiert!).

Also der erste Tag in Norwegen bekommt von mir 4 von 10 Punkten auf meiner selbst-erfundenen Adventure-Skala. Und das auch nur, weil die Landschaft so schön ist. Schlechte Noten wegen schlechtem Wetter 😉

Ob das noch was wird mit dem guten Wetter, und was uns an den nächsten Tagen noch so erwartet, das erfahrt ihr dann demnächst 🙂

Love, Kristin

 

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