Leben

… und warum ich mich damit so schwer tue

Einige von euch waren vielleicht auch schon in der Position, gerade wenn ihr studiert und ein Studium abgeschlossen habt. Diese schöne Situation die man dir als ‚arbeitssuchend‘ verkauft, die aber landläufig als ‚arbeitslos‘ bekannt ist. Aber arbeitslos klingt halt nicht so schön. Ich finde irgendwie auch, dass diesem Wort etwas negatives anhängt. Nicht nur, dass es Mist ist, arbeitslos zu sein, aber irgendwie assoziiere ich es automatisch mit Faulheit, Unmut, Desinteresse.

Allerdings kann ich das von mir so nicht sagen. Ich möchte tatsächlich arbeiten – ich habe jetzt lange studiert und mich qualifiziert. Jetzt will ich diese Qualifikationen auch nutzen!
Das Problem mit dem Arbeitsmarkt ist, dass man grundsätzlich eine gewisse Berufserfahrung voraussetzt. Die 4 Jahre als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Uni während der Promotion zählen da oftmals nicht, obwohl man in dieser Zeit ja nun durchaus einer Tätigkeit nachgeht. Und nicht zu knapp.
Man bekommt also oft schon Absagen, einfach nur, weil man ‚frisch von der Uni‘ ist. Und sowas nervt und nagt am Selbstbewusstsein.
Natürlich sind dort draußen Jobs, für die Qualifikationen notwendig sind, die ich bisher noch nicht habe. Trotzdem bin ich qualifiziert für den Job, und ich habe über Jahre bewiesen, dass ich mich in neue Tätigkeiten und Bereiche einarbeiten kann, dass ich Herausforderungen meistern und Probleme lösen kann – jeder Doktorand hat das während seiner Promotion. Gebt uns eine Chance! Wir können das!

Mein Lieblingsteil einer Bewerbung ist immer das Anschreiben (nicht). Ich bin mir nicht sicher, ob ich verstehe wozu es nun eigentlich nötig ist… Aber ich tue mich schwer damit. Ich bin einfach kein Fan von Selbstbeweihräucherung. Ich weiß was ich kann. Mir ist es unangenehm zu schreiben dass ich ‚perfekt im Team arbeite‘ oder eine ‚großartige Ergänzung für das Team‘ bin. Die Einstellung neuer Mitarbeiter ist etwas zutiefst persönliches, subjektives. Wenn ‚die Chemie‘ nicht stimmt, dann ist es SEHR unwahrscheinlich, dass man einen Job bekommt. Es ist einfach wichtig WER man ist, ob man zur Firma / ins Team passt. Kurz: Persönlichkeit spielt eine sehr große Rolle (Überraschung).
Meine Persönlichkeit kann ich schwer in einem Anschreiben ausdrücken. Um etwas über mich zu Erfahren, lädt man mich im Optimalfall zu einem Gespräch ein. Und das tut man auch nur, wenn die Qualifikationen (sprich der Lebenslauf) passen. Also wozu dieses Anschreiben mit dem ich mich jedes Mal quäle, welches mir immer irgendwie ein komisches Gefühl aufzwingt und bei dem ich immer irgendwie ’schleimig‘ fühle?

Es gibt da neuerdings eine App namens truffls, und ich mag die Idee dahinter. Ihr ladet euren Lebenslauf hoch und erstellt ein Suchprofil für relevante Jobs. Wenn ihr einen Job findet, der euch taugt, dann könnte ihr einfach durch ein Swipe nach rechts euer anonymisiertes Profil (mit all euren Qualifikationen) an das entsprechende Unternehmen senden. Falls ihr dem Unternehmen taugt (auf Basis eurer Qualifikation), können sie dann mit euch in Kontakt treten.
Kein nerviges Anschreiben. Kein Rumgelaber. Nur auf Basis dessen, was IHR draufhabt.
Ist doch cool oder?

 

Alles in allem gilt bei der Jobsuche das selbe wie im Business – durchhalten und sich nicht unterkriegen lassen. Planen (Bewerbungsportrale durchforsten, Jobalerts einrichten, schreiben schreiben schreiben, Gespräche vorbereiten,…) und wenn eine Absage kommt das Krönchen richten und weitermachen.
Auch wenn es für mich jedes mal ein Stich ins Herz ist. Und immer eine gewisse Unsicherheit nach sich zieht, ob ich vielleicht doch nicht so qualifiziert bin, wie ich denke.
Aber an dieser Stelle trete ich mir dann selbst in den Hintern, hake es ab und mache weiter. Ich weiß was ich kann. Und ich weiß auch, dass problemlos auch neue Dinge erlernen kann. Ich will arbeiten – ich will einen Job der mich fordert, in dem ich mich verwirklichen kann und der mir Freude bereitet! Und dafür bin ich durchaus bereit mir den Hintern aufzureißen. Da ich bisher ’nur‘ wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Uni war, bin ich super offen für all die Berufschancen und -möglichkeiten dort draußen. Wie soll ich wissen ob ein Job etwas für mich ist, wenn ich es noch nie probiert habe? Ich kann es einfach nur ausprobieren und das beste daraus machen. Denn dass ist schließlich mein Anspruch an mich selbst. Und das darf auch jeder wissen.

 

Glaubt an euch und seid mutig – bewerbt euch auch auf Stellen bei denen ihr vielleicht nicht zu 100% ins Profil passt. Es schadet nicht. Es ist eine gute Übung. Und die richtige Stelle kommt. Davon bin ich überzeugt.

 

Immer dran denken: aufstehen, Kopf hoch, Krönchen richten, weitermachen!
Soviel dazu. Aber es brannte mir auf den Nägeln.
Vielleicht hilft es dem ein oder anderen dort draußen ja zu wissen, dass ihr mit dieser Situation NICHT alleine seid. Ich denk an euch ( :

Love, Kristin

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