Corona

Pandemie-Tagebuch: Tag 05-07

Pandemie Tagebuch Tag 05-07 inklusive Rechenexempel.

Tag 05

Dienstag, 17.03.2020. Heute fällt die Entscheidung, dass wir offiziell ins Homeoffice gehen. Das ist eigentlich kein Problem, ich habe schon von oft von Daheim gearbeitet, das bereitet mir keine Probleme.
Antenne Bayern spielt seit heute jeden Abend um 17.00 Uhr die Bayernhymne und ruft alle Bayern dazu auf, sich selbst und allen, die in diese Zeiten dafür sorgen, dass das Leben weitergehen kann, zu applaudieren. Eigentlich eine schöne Idee.
Meine Mom meldet den ersten bestätigten Fall aus Ihrer Firma. Nicht an Ihrem Standort, aber dort wo Sie früher gearbeitet hat. Auch sie bekommt jetzt einen Laptop und kann von daheim arbeiten.

Tag 06

Mittwoch, 18.03.2020. Mein erster Homeoffice Tag. Sehr unspektakulär – Überraschung. Da ich wirklich alles vom Laptop aus erledigen kann, ein Arbeitstag wie jeder andere, dafür aber in meinen eigenen vier Wänden. Das Wetter ist traumhaft schön, und da ich zu Hause bin kann es der Hund auch genießen – der liegt den ganzen Tag im Garten. Außer der Arbeit schaffe ich einige Maschinen Wäsche, Pflanzengießen und Orchideenwellness (Orchideen mögen nicht gegossen werden – sie sind bei uns die Divas unter den Pflanzen und bekommen ein etwas anderes ‚Treatment‘).
Den ganzen Tag über hört man im Radio über ‚Corona-Parties‚. Ernsthaft Leute? Wer kommt auf solche dummen Ideen?
Nach Feierabend schnappe ich mir den Hund und laufe meine übliche Seerunde. Es stellt sich schnell raus, dass Corona-Parties wohl keine Fake-News sind, denn wenn ich mir anschaue wie viele Jugendliche hier in Gruppen eng gedrängt (am liebsten aufeinander) am See herumlungern, trinken und ‚das Wetter genießen‘, dann kann ich mir das mit den Corona-Parties doch ganz gut vorstellen…
Ich verstehe nicht, warum manche den Ernst der Lage nicht begreifen. Hat denn noch nie jemand was von exponentiellem Wachstum gehört? Gerade die jungen Leute sind da in der Schule sicher schonmal drauf gestoßen worden…
Ich habe aus lauter Empörung noch einen kurzen Beitrag dazu verfasst. Ich war auch mal jung (ja, oh Wunder) und ich kanns chon auch nachvollziehen, weshalb man das ganze nicht so ernst nimmt ode rnehmen möchte, und warum Parties toller sind als Einzelhaft daheim. Aber Leute – auch mit 16 kann und muss man doch eine gewisse Verantwortung für sich selbst und vor allem für die eigene Familie (geschweige denn die Gesellschaft) übernehmen? Bin ich naiv? Wäre ich Mama, müsste sich mein Kind da sicherlich einiges anhören (armes Kind).

corona bierflasche am strand als zeichen für corona parties

Tag 07

Donnerstag, 19.03.2020. Habe heute morgen mal ein Päkchen zur Post gebracht. Schlange draußen, alle brav 2 m Abstand. Das Social Distancing scheint doch irgendwo zu funktionieren. 
Dachte ich. Zumindest hier und da, oder einfach hier in Eichenau. Den ganezn Tag über wird aber wieder viel darüber gesprochen, dass die Leute den Ernst der Lage verkennen. Ja, vermutlich tun Sie das. Söder stellt Ausgangssperren für Bayern in den Raum – wen wundert es, wenn sich überall in den Park die Leute in Gruppen zusammenrotten, aus den gleichen Flaschen trinken, sich eine Zigarette teilen.
Ich persönlich verstehe das einfach nicht mehr. Die Tagesschau bringt Berichte aus italienischen Krankenhäusern, wo mittlerweile so viele Intensivpatienten liegen, dass die Ärzte und das Pflegepersonal entscheiden, wer vorrangig behandelt wird – und wer dadurch eventuell stirbt. Klingt wie im Krieg – und ist es auch irgendwie, denn das System ist überlastet. Und das führt zu unnötigen Todesfällen.
Ich wünschte alle hierzulande würden verstehen, wie ernst die Lage werden kann. Einfach weil die Zahlen nicht begriffen werden.
Wir haben in Deutschland etwa 28.000 Intensivbetten (mit Beatmungsmöglichkeit). Zur Zeit liegen bereits über 200 Patienten in diesen Betten. Bei 15.223 bestätigten Fällen (Stand 19.03.2020, 21 h). Zur Zeit liegt die Verdopplungszeit bei 2.9 Tagen (laut SZ). 

Rechnen wir mal nah. Etwa 200 Intensivpatienten bei sagen wir 15.000 Erkrankten. Sagen wir der Einfachheit halber 0,01% der Erkrankten benötigen eine Intensivbetreuung, das klingt ja eigentlich nach nix.
Wir haben eine Verdopplungszeit von etwa 3 Tagen (da wären wir wieder beim exponentiellen Wachstum!). Also in 3 Tagen, am Sonntag, etwa 30.000 Fälle, davon 400 Fälle für die Intensivbetreuung. Am Mittwoch dann 800 Intensivfälle, Samstag nächster Woche 1600, und wenn man das weiter spinnt, bereits am 02. April 25.600 Intensivfälle – eine weitere Verdopplung innerhalb von 3 Tagen würde das Intensivbetreuungssystem (so wie es jetzt gerade steht) schon sprengen. Oder zumindest überlasten. Ich rede von einer Zeitspanne ab jetzt von 1 1/2 Wochen. Wenn die Ansteckungsraten bleiben wie sie sind, und wenn die Rate derjenigen, die eine Intensivmedizinische Betreuung brauchen, gleich bleibt. Fakt ist aber, dass je mehr Menschen erkranken, desto schlechter die medizinische versorgung zwangsweise wird, und es möglich ist, dass es in mehr Fällen zu einem schwerwiegenden Verlauf kommt.

Das ist schon irgendwie Grund zur Sorge, oder bin ich damit allein? Und es ließe sich so einfach ausbremsen. Sodass wir nicht in etwa 2 Wochen einem gesundheitlichen Supergau entgegensteuern. Es ist so einfach Leute: bleibt daheim. Setzt euch auf die Backen und kneift sie zusammen. Es ist nicht nur so ein dummer Spruch, dass das Leben retten kann! Es ist einfache Mathematik. Jeder Teenager kann sich das ausrechnen. Wäre das nicht mal eine tolle Matheaufgabe jetzt in der schulfreien Zeit? 

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